Selbstkritik am Namen
Klimaplan "von unten"

Als relativ kleine und homogene Gruppe von überwiegend in Mitteleuropa aufgewachsenen Menschen, die einen akademischen Bildungsweg absolviert haben, müssen wir uns (als Organisationsteam) die Frage stellen, inwieweit wir für das von uns angestoßene Projekt des Klimaplans eine Herkunft „von unten“ überhaupt beanspruchen können.

Wir sehen unsere Kernaufgabe darin, die Infrastruktur für einen möglichst basisdemokratischen Entstehungsprozess zu bieten, der von Beginn an transparent ist und einen intensiven Diskurs ermöglicht. Dadurch besteht jedenfalls die Chance, dass der Klimaplan eine Vielfalt von Meinungen, die in der Gesellschaft vertreten werden, widerspiegelt. Gleichzeitig haben wir – insbesondere mit der Moderation der einzelnen Bereiche sowie durch unsere Netzwerk- und Öffentlichkeitsarbeit – entscheidenden Einfluss darauf, welche Sichtweisen im Klimaplan repräsentiert werden.
Wir können uns also nicht darauf ausruhen, eine Einladung ausgesprochen zu haben, die keine*n kategorisch ausschließt, sondern sind gefordert, uns die Diskrepanz zwischen dem basisdemokratischen Anspruch und der strukturell gegebenen Exklusivität unserer Gruppe immer wieder bewusst zu machen und über unseren eigenen Tellerrand hinaus zu schauen.
Gleichzeitig liegt es, schon durch unsere begrenzten Kapazitäten, derzeit nicht in unseren Möglichkeiten, tatsächlich eine Bewegung „von unten“ zu initiieren – in dem Sinne, dass ein große Masse der Gesellschaft vertreten ist.

Außerdem bedeutet „von unten“ für uns auch, eine eurozentristische Sichtweise zu vermeiden, die sich wenig darum schert, was unser Handeln an anderen Orten der Welt bewirkt, und annimmt, dass Lösungen, die für Europa funktionieren, irgendeine Allgemeingültigkeit besäßen. Dieses Anliegen ist aufgrund der anfangs genannten Tatsachen nicht weniger schwierig und darf auch nicht damit verwechselt werden, dass der Klimaplan in vielen Details auf gegebene Strukturen und Missstände des deutschen Staates eingehen wird.
Zu zeigen, dass diese Strukturen auf globaler und sozialer Ungleichheit fußen, und dass ein wirksames Bekämpfen der Klimakrise auch bedeutet, diesen Ungleichheiten den Kampf anzusagen, ist uns (als Organisationsteam des Klimaplans) ein wichtiges Anliegen. Dies mag wiederum den Anschein erwecken, als würden wir eine grundsätzliche Tendenz vorgeben. Damit soll aber vor allem die politische Tendenz der Organisator*innen transparent gemacht werden – die Konsequenz für den Entstehungsprozess des Klimaplans ist lediglich, dass wir den Kontakt zu Gruppen suchen, von denen wir hoffen, dass sie Sichtweisen des globalen Südens vertreten und diesen im Diskurs um gerechte Antworten auf die Klimakrise ein besonderes Gewicht geben.

Hier findest du außerdem unsere kritische Reflexion zum Namen „gerechte1komma5“

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